
Der Einfluss des Frühstücks auf die Energieaufnahme im Tagesverlauf: Eine Analyse des Energiegehaltes der Frühstücksmahlzeit und ihre Relation zu den gesamten Tageskalorien
Eine Analyse der beim Frühstück aufgenommenen Energiemenge in Bezug zu den am gesamten Tag verzehrten Kalorien zeigte, dass bei einem reichhaltigeren Frühstück die restlichen Mahlzeiten des Tages nicht geringer ausfielen, sondern im Wesentlichen konstant blieben. Tage mit einer hohen Kalorienzufuhr zeigten einen erhöhten Anteil an Frühstückskalorien, so dass eine Reduzierung dieser Mahlzeit möglicherweise für das Management von Übergewicht und Adipositas genutzt werden könnte.
Im Rahmen der Untersuchungen zur täglichen Energieaufnahme wird die Rolle des Frühstücks kontrovers diskutiert. Es gibt sowohl Ergebnisse, die darauf hinweisen, dass die Energieaufnahme nach einem reichhaltigen Frühstück über den gesamten Tag hinweg geringer ist, als auch eine Reihe anderer Studien, die nahe legen, dass eine hohe Energiezufuhr beim Frühstück nicht während des Tages kompensiert wirdund somit insgesamt zu einer höheren Kalorienaufnahme beiträgt.
Um diese Widersprüchlichkeitennäher zu untersuchen, werteten die Autoren Daten zur Energiezufuhrwährend der Mahlzeiten von 100 Normal- und 280 Übergewichtigen über zehn bzw. 14 Tage hinweg aus. Dabei wurden die intraindividuelle Energieaufnahme während des Frühstücks und das Verhältnis von Frühstückskalorien zur gesamten Energieaufnahme des Tages berechnet. 280 übergewichtige Menschen (davon 205 weiblich, 75 männlich, Altersdurchschnitt 45 +/- 0,85 Jahre, BMI 36,6 +/- 0,2 kg/m2), die bei der Klinik für Ernährungsmedizin in München Hilfe zur Bewältigung ihrer Gewichtsprobleme suchten, wurden für die Studie ausgewählt. Ihnen wurde eine Gruppe von 100 Freiwilligen gegenübergestellt, die den Patienten bestmöglich entsprach (67 weiblich, 33 männlich, Alter 42 +/- 0,2 Jahre, BMI 22,5 +/- 0,1 kg/m2).
Vor Beginn einer Behandlung wurden alle Personen gebeten, sämtliche verzehrten Nahrungsmittel und Getränke zu protokollieren. Um besonders die Übergewichtigen zukorrekten Aussagen zu motivieren wurde ihnen gesagt, dass die normale Ernährungwie gewohnt weiter geführt werden soll und die genaue Erfassung der Ernährungsgewohnheitenfür den Erfolg der folgenden Therapie von großer Wichtigkeit sei. Um auchdie Erfassung von energiereicher Nahrung und Zwischenmahlzeiten sicherzustellen wurde weiter darauf hingewiesen, dass persönlich bevorzugte Lebensmittel nach Möglichkeitin der Diät während der folgenden Therapie beibehalten werden. Die Probandenwurden angehalten, bei der Mengenangabe der Mahlzeiten nach Möglichkeit Waagen zu benutzen und erhielten eine Broschüre, die Hilfe bei der Einschätzung von Portionsgrößen bot. Die normalgewichtigen Probanden sollten die Protokollierung über 14 Tage hinweg durchführen, die übergewichtigen Patienten zehn Tage lang.
Aus den Angaben der Probanden wurden die verzehrten Energiemengen berechnetund Haupt- sowie Zwischenmahlzeiten zugeordnet. Kalorienhaltige Getränke wurdengesondert verzeichnet. Für jeden Teilnehmer wurden die Daten in einer aufsteigenden Rangordnung nach der Energiemenge sortiert, die beim Frühstück aufgenommen wurde. Beide Gruppen wurden mit Hilfe gepaarter t-Tests verglichen, bei multipler Testungmit Bonferroni-Korrektur. Korrelationen zwischen der Energieaufnahme während des IME Wissenschaftlicher Informationsdienst 2/20113 Tages und der Frühstücksmahlzeit wurden nach Pearson bestimmt, der Einfluss des Energiegehaltes des Frühstücks auf die über den gesamten Tag aufgenommenen Kalorienwurde mit multiplen Regressionsanalysen untersucht. Bei den übergewichtigen Personen lag der Energiegehalt des Frühstücks zwischen121 +/- 7,1 und 606 +/- 19,0 kcal. Die große Streuung entstand durch gelegentlich ausfallende Mahlzeiten. Mittags- und Abendmahlzeit enthielten unabhängig von der Kalorienmenge des Frühstücks jeweils etwa 550 kcal. Zwischenmahlzeiten am Vormittag fielen bei einem reichhaltigen Frühstück signifikant geringer aus, während Zwischenmahlzeitenam Nachmittag und abends davon nicht beeinflusst wurden. An den beiden Tagen, an denen morgens das Frühstück am größten ausfiel, war die über den Tagaufgenommene Energiemenge etwa 400 kcal höher als sonst, was im Wesentlichen durch die Kalorienmenge des Frühstücks bedingt war. Unter Einbezug kalorienhaltiger Getränke war eine allgemeine Erhöhung der aufgenommenen Energiemenge zu beobachten, die sich parallel zu der Energieaufnahme der Mahlzeiten des gesamten Tagesverhielt, so dass die zuvor getroffenen Aussagen unverändert blieben. Der Anteil aller anderen Mahlzeiten an der pro Tag insgesamt aufgenommenen Energiemenge nahm mit reichhaltiger werdendem Frühstück stetig ab. Bei normalgewichtigen Personen lagen die beim Frühstück verzehrten Kalorien zwischen 134 +/- 12,8 und 674 +/- 24,6 kcal. Auch hier wurde die Mahlzeit gelegentlich ausgelassen. Mittag- und Abendessen enthielten relativ konstant 500 bis 550 kcal.
Ebenso wie bei den übergewichtigen Studienteilnehmern nahm der Anteil aller anderen Mahlzeitenan der pro Tag insgesamt aufgenommenen Energiemenge in Relation zu einemreichhaltiger werdendem Frühstück ab. Auch in dieser Gruppe veränderten sich die Ergebnisse unter Einbeziehung kalorienhaltiger Getränke nicht. Die für die deutlich höhere Energieaufnahme beim Frühstück verantwortlichen Hauptbestandteile waren Brot, Eier, Kuchen, Joghurt, Käse, Wurstwaren, Marmelade und Butter.
In beiden Gruppen korrelierte die Energieaufnahme beim Frühstück positiv mit der überden ganzen Tag hinweg aufgenommenen Energiemenge. Bei beiden Gruppen bestätigten multiple Regressionsanalysen, dass die beim Frühstück aufgenommene Energiemenge sowie dessen relativer Anteil an den Tageskalorien einen Einfluss auf dieüber den gesamten Tag hinweg verzehrten Kalorien hatten. Während also die anderen Mahlzeiten des Tages weitgehend konstant blieben, kam es über den Tag gesehen bei einem größeren Frühstück zu einer proportionalen Mehraufnahme von Kalorien. Um Übergewicht vorzubeugen oder zu behandeln, könnte somit die Reduzierung von Frühstückskalorien hilfreich sein, da dieser Studie zufolge eine größere Zufuhr von Energie beim Frühstück über den Tag hinweg nicht ausreichend kompensiert wird.
Schusdziarra V1, Hausmann M1, Wittke C1, Mittermeier J1, Kellner M1, Naumann A2, Wagenpfeil S2,3, Erdmann J1; volker.schusdziarra@lrz.tum.de
1 Else-Kröner-Fresenius Center of Nutritional Medicine, Technical University of Munich,Ismaninger Straße 22, 81675 München, Germany.
2 Institute of Medical Statistics and Epidemiology, Technical University of Munich.
3 Graduate School of Information Science in Health Technical University of Munich.
Quelle: www.imeonline.de



































