19.02.2013

„Generation S“

Die sitzende Lebensweise hat erheblichen Einfluss auf die Entstehung des kindlichen Übergewichts

Für die Entstehung von Übergewicht bei Kindern ist eine ganze Reihe von Einflussfaktoren verantwortlich, der letztendlich auslösende Mechanismus aber ist das Ungleichgewicht von Kalorienaufnahme und -verbrauch. Sehr lange und relativ einseitig wurde die Kalorienaufnahme für die Gewichtszunahme verantwortlich gemacht, wozu es jedoch keine belastbaren Daten gibt. Im Gegensatz dazu ist der Rückgang der körperlichen Aktivität – besonders bei Kindern und Jugendlichen – gut belegt. Eine große Rolle spielt dabei die Verdrängung aktiver Zeit durch Sitzzeit. Der sitzende Lebensstil hat erhebliche Auswirkungen auf die Gesundheit und auf die Energiebilanz und ist ein wichtiger Ansatzpunkt, um den Anteil der übergewichtigen und adipösen Kinder zu reduzieren.

 

Zur Entstehung des Übergewichts

Es gibt keine belastbaren und validen Daten, die rechtfertigen, eine erhöhte Energieaufnahme (“Super Size Me“) für das Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen verantwortlich zu machen. Vielmehr deuten zahlreiche Indizien darauf hin, dass die Energiezufuhr eher rückläufig und die reduzierte körperliche Bewegung als der wichtigste Faktor anzusehen ist, durch den sich der Prävalenzanstieg von Übergewicht erklärt. Im gleichen Maße wie sich die Bewegungszeiten reduzieren, erhöhen sich gegenläufig die Bildschirmzeiten, d. h. die Freizeit, die sitzend vor dem TV Geräte oder dem Computer zugebracht wird. Ein wesentlicher Schlüssel zur Bewältigung des Übergewichtsproblems liegt deshalb in der Umkehr des immer geringeren Energieverbrauchs – nicht nur durch Erhöhung der Aktivitätszeit, sondern auch durch Reduzieren der langen Phasen der hohen Inaktivität, nämlich des Sitzens.

 

Sitzender Lebensstil und seine Folgen

Die Kinder- und Jugendzeit wird im Allgemeinen als die körperlich aktivste Lebensphase angesehen. Veränderungen in diesem Zeitabschnitt können nicht ohne Folgen bleiben. Erste Befunde des auf europäischer Ebene durchgeführten HELENA Projekts (Healthy Lifestyle in Europe by Nutrition in
Adolescence) zeigen:

  • Die durchschnittliche Sitzzeit beträgt 9,1 Stunden pro Tag und entspricht damit 71 Prozent der aufgezeichneten Zeit (Wachzeit).
  • Kinder und Jugendliche, die mehr als 70 Prozent ihrer Wachzeit sitzend zubringen, verfügen über eine signifikant schlechtere kardiorespiratorische Fitness.
  • Die durchschnittliche Aktivitätszeit beträgt 65 Minuten pro Tag.
  • Mehr als ein Drittel der Stichprobe sitzt jeden Tag länger als 2 Stunden vor dem TV-Gerät, an Wochenenden steigt dieser Anteil auf zwei Drittel.

Das „Biosystem“ Mensch ist orthopädisch keineswegs für das Sitzen konstruiert, dessen energetische Kosten bei etwa dem einfachen Grundumsatz liegen. Die gesundheitlichen Folgen des sitzenden Lebensstils sind mit denen der körperlichen Inaktivität vergleichbar: Die ungünstige Veränderung der Energiebilanz führt bei gleichbleibender Energieaufnahme zu einem Energieüberschuss. Ferner kommt es zu einem Muskelabbau, zu muskulären Dysbalancen, zu einer Störung der durch muskuläre Aktion ausgelösten Entzündungshemmung sowie zur Entgleisung einer Reihe von metabolischen Vorgängen, die z. B. für den Glukosetransport in die Muskelzelle sorgen. Besonders sensibel reagiert der Knochenstoffwechsel auf zu langes Sitzen, da dieser auf den beständigen trophischen Reiz des aufrechten Ganges angewiesen ist. Dadurch werden Bewegungsmangelerkrankungen begünstigt, zu denen kardiovaskuläre Erkrankungen, Diabetes Typ 2 und Krebserkrankungen zählen.

 

Lösungsansätze

Um den Anteil der übergewichtigen und adipösen Kinder zu reduzieren, wären als erste Schritte sinnvoll:

  • Mehr Aufklärung von Eltern, Erzieher/innen, Lehrer/innen und Kinderärzten/innen über die negativen Folgen einer sitzenden Lebensweise sowie über praktikable Lösungswege.
  • Veränderung der Rahmenbedingungen in Schulen und Kindergärten, um mehr Bewegungsanlässe zu schaffen, z. B. auch durch die Unterbrechung des Unterrichts durch Bewegungseinheiten.
  • Reduzierung der Bildschirmzeiten, z. B. durch Limitierung des Zugangs von Vorschulkindern zu TV und Computer. Kein Kind unter 10 Jahren sollte ein TV Gerät im Kinderzimmer haben.
  • Gestaltung bewegungsfreundlicher Lebenswelten, wozu auch gehört, „aktive“ und sichere Wege zum Kindergarten und zur Schule zu ermöglichen.

 

 

Quelle: LCI Moderne Ernährung Heute
Autor: Prof. Dr. Gerhard Huber, Heidelberg
Wissenschaftlicher Pressedienst - Herausgeber: Prof. DR. R. Matissek
Lebensmittelchemisches Institut der Deutschen Süsswarenindustrie, Köln

 

Die gesamte Studie zum Download: WPD 1/2013

 

Weitere Informationen finden Sie unter www.suessefacts.de.

 

 

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