Drei junge Menschen schieben ihre Fahrräder durch die Dünen.

10.05.2010

Körperliche Aktivität in der Freizeit und hohes Risiko für Körperfett: eine populationsbasierte Langzeit-Zwillingsstudie

In einer finnischen Langzeitstudie wird bei 16 ein- bzw. zweieiigen Zwillingspaaren der Effekt einer langjährigen Aktivitätserhöhung auf die Entwicklung und Lokalisation von Fettgewebe untersucht.

Die Ergebnisse sind eindeutig: Auch bei gleichen genetischen und umweltbedingten Voraussetzungen wirkt sich eine über Jahre erhöhte Körperaktivität in der Freizeit signifikant positiv auf die Körperfettentwicklung aus. Der inaktivere der beiden Zwillinge hatte in allen untersuchten Bereichen (visceral, abdominell, intramuskulär) deutlich umfangreichere Fettdepots entwickelt als der aktivere.

Manche Menschen neigen eher zu Übergewicht als andere. Dafür scheinen neben einer genetischen Disposition auch Umweltfaktoren verantwortlich zu sein. Insbesondere Abdominalfett, dessen Prävalenz in den vergangenen Jahren stark zugenommen hat, ist mit einem erhöhten Risiko für verschiedene Folgeerkrankungen assoziiert. Körperliche Aktivität gilt als ein Faktor, der hilft, Übergewicht vorzubeugen bzw. zu bekämpfen. Allerdings zeigen die Studien, die in diesem Zusammenhang durchgeführt wurden, keine einheitlichen Ergebnisse. Insbesondere fehlen Daten zum Langzeiteffekt von körperlicher Aktivität auf das Körperfett und dessen Verteilung im Körper.

 

Dieser Fragestellung gehen die Autoren dieser finnischen Studie nach und wählen hierfür gleichgeschlechtliche Zwillinge (sieben eineiige Zwillingspaare, neun zweieiige Zwillingspaare, 11 männliche und 5 weibliche Paare, Durchschnittsalter 60 Jahre) mit unterschiedlichen Aktivitätslevels der beiden Zwillinge aus. Rekrutiert wurden die Paare aus einer finnischen Zwillings-Kohorten-Studie, wobei die Auswahl der Paare auf der Basis der Aktivitätsdaten erfolgte. Angaben zum Gewicht, Größe und Körperzusammensetzung wurden bei der Selektion nicht berücksichtigt. Die Aktivitätsangaben wurden in den Jahren 1975 und 1981 im Rahmen einer Untersuchung erhoben sowie zusätzlich im Zeitraum von 1980-2005 im Rahmen von Interviews im Abstand von 5 Jahren. Es wurden nur solche Zwillingspaare ausgewählt, bei denen sich die körperliche Aktivität (Freizeit, Weg zur Arbeit) der beiden Zwillinge an mindestens vier von sechs Erhebungszeitpunkten unterschied.

 

Bestimmt wurde dabei auch der Energieverbrauch in der Freizeit mittels metabolischem Äquivalent (MET) - (Mehrfaches der metabolischen Rate in Ruhe in Abhängigkeit von der Dauer, Intensität u d Häufigkeit der Aktivität bezogen auf Stunden/Tag). Der durchschnittliche Unterschied hinsichtlich des MET-Index betrug bei ein- und zweieiigen Zwillingen 8.8 MET Std Tag-1 (p<0.001). Ergänzend wurde am Ende der Studie die kardiale und respiratorische Fitness der Teilnehmer bestimmt (spiroergometrische Untersuchung). Auch hier ergab sich ein signifikanter Unterschied zwischen beiden Zwillingen, wobei der aktivere erwartungsgemäß bessere Werte zeigte (p>0.001). Über den gesamten Untersuchungszeitraum dokumentierten die Teilnehmer ihren Nikotin- und Alkoholkonsum. Die Energieaufnahme wurde ebenfalls über 5-Tages-Tagebücher ermittelt.

 

Für die Untersuchung des langfristigen Aktivitätseinflusses auf die Körperzusammensetzung wurde eine Magnetresonanztomografie des Abdomens und der Oberschenkel der Studienteilnehmer durchgeführt. Dadurch konnte abdominelles und viscerales Fett sowie subkutanes und intramuskuläres Fett dargestellt werden. Mittels dieser Schichtaufnahmen konnte auch der Leber-Fett-Score festgelegt werden. Darüber hinaus erfasste man anthropometrische Daten: Größe, Gewicht, Bauchumfang. Die Körperzusammensetzung wurde mit Hilfe eines Multifrequenz-Impedanz-Plethysmographen festgestellt.

 

Zu Studienbeginn unterschieden sich die Zwillinge zwar hinsichtlich der Körperaktivität in der Freizeit, aber nicht in den anthropometrischen Daten und der Tätigkeitsbedingten Aktivität. In der Nachfolgezeit fanden sich auch keine Unterschiede beim Alkohol- und Nikotinkonsum oder der Energieaufnahme. Die auffälligste Differenz fanden die Autoren bezüglich der Verteilung von visceralem und ektopischem Fett. Der Inaktivere der beiden Zwillinge hatte durchschnittlich einen um 170% höheren Leber-Fett-Score (durchschnittliche Differenz: 13.2; 95% KI 3.5-22.8, p= 0.030). Betrachtete man ausschließlich eineiige Zwillinge lag der Wert sogar bei 435% (26.1 ± 21.6 vs. 6.0 ± 8.2, p=0.028). Auch die intramuskuläre Fettmasse war beim inaktiveren Zwilling höher (54%, p=0.002) und die Bereiche subkutanen Fettgewebes größer (p=0.047). Auch hier waren die Unterschiede hinsichtlich der intramuskulären Fettmasse bei eineiigen Zwillingen ausgeprägter als bei zweieiigen Zwillingen. Ähnliche Ergebnisse ergab die Datenanalyse bei den Parametern für die viscerale Fettmasse und abdominelles subkutanes Fettgewebe. Beides war bei den inaktiven Zwillingen ausgeprägter (50% bzw. 25% erhöht; p=0.010 bzw. p=0.079). Außerdem tendierten die inaktiven Zwillinge über den Beobachtungszeitraum zu einem höheren Körpergewicht (n.s.) und einer höheren Fettmasse (p=0.004) sowie einem größeren Bauchumfang (p=0.059).

 

Die körperliche Aktivität (Sauerstoffaufnahme) war in der statistischen Analyse mit einem geringeren Anteil visceralen und intramuskulären Fetts verbunden. Dies galt sowohl für einzelne Personen als auch für die Werte innerhalb eines Zwillingspaares (intrapair). Darüber hinaus fanden die Autoren bei den jeweils inaktiveren Zwillingen eine erhöhte Rate an Diabetes Typ 2 sowie an kardiovaskulären Erkrankungen.

 

Demnach hat eine langfristige körperliche Aktivität in der Freizeit einen anhaltend positiven Effekt auf die Bildung von Fettdepots und kann so als Präventionsfaktor betrachtet werden. Diese Zwillingsstudie zeigt, dass dieser Effekt auch dann noch signifi-kant ist, wenn man gleiche genetische und umweltbedingte Voraussetzungen hat.

  
Leskinen1, T., S. Sipilä1, M. Alen2, S. Cheng1, K.H. Pietiläinen3, J-P. Usenius4 H. Suominen1, V. Kovanen1, H. Kainulainen5, J. Kaprio6, U.M. Kujala1 (1. Department of Health Sciences, Univer-sity of Jyväskylä, Jyväskylä; 2. Department of Medical Rehabilitation, Oulu University; 3. Obe-sity Research Unit, Biomedicum; Helsinki; 4. Kesi-Suomen Magneettikusvaus, Jyväskylä; 5. Department of Biology of Physical Activity, University of Jyväskylä; 6. Department of Public Health, University of Helsinki; 1.-6. Finnland) Leisure-time physical activity and high-risk: a lon-gitudinal population-based twin study.

International Journal of Obesity, 33 (2009) pp. 1211-1218

 

      
Wissenschaftlicher Informationsdienst des IME, Ausgabe 1 / 2010, Beitrag Nr. 1,

Informationskreis Mundhygiene und Ernährungsverhalten (Copyright)

 

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